Vor dem Shooting: Was im Raum steht – und was nicht – entscheidet mit über das Bild
Newsletter #4 | 08. September 2026
Liebe Leserin, lieber Leser,
Ein Gebäude ist fertig. Die Handwerker sind raus, die Abnahme ist durch. Jetzt kommen die Fotos. Ohne die fast niemand das Gebäude wahrnimmt.
Was viele unterschätzen: Zwischen „fertig gebaut“ und „bereit für das Shooting“ liegt manchmal noch eine kleine, aber entscheidende Lücke. Und die hat nichts mit der Kamera zu tun.
Situation 1: Der leere Neubau
Ein neuer Kindergarten, frisch übergeben. Lichtdurchflutete Räume, durchdachte Farbkonzepte, durchgeplante Raumfolgen – und noch kein einziges Möbelstück.
Ist das ein Problem? Nicht zwingend. Leere Räume können in der Architekturfotografie sehr stark sein; sie zeigen Proportionen, Materialien und Lichtführung ohne Ablenkung.
Was ich in solchen Situationen immer prüfe: Sind Böden frei von Baustellenresten? Sind Schalter und Türgriffe montiert und unbeschädigt? Sind Fensterscheiben geputzt?
Und noch etwas, das bei leeren Räumen oft hilft: ein Mensch im Bild. Nicht als Portrait, sondern als bewusst unscharf durch den Raum gehende Figur. Das macht Proportionen ablesbar, belebt die Aufnahme. Oft gehe ich selbst durchs Bild. Mittlerweile weiß ich, wie schnell ich bei einer Belichtung von 1/6 Sekunde sein muss.
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Situation 2: Die hochwertige Sanierung mit Inneneinrichtung
Hier ist die Ausgangslage eine ganz andere. Ein Altbau wurde aufwendig saniert, eine Innenarchitektin hat jeden Raum durchgeplant, die Möbel sind gesetzt, das Lichtkonzept sitzt.
Jetzt geht es um die Feinheiten.
Was konkret hilft
Jede Architektin, jeder Architekt hat unterschiedliche Vorstellungen von „Deko“ und Menschen im Raum. Manche mögen es total clean, anderen ist der Verweis auf dort lebende Menschen wichtig, der sich durch Personen oder eingesetzte Requisiten zeigen kann. Dabei richte ich mich gern nach Ihren Wünschen.
Im Wohnbereich: Ein aufgeschlagenes Buch, eine einzelne Vase mit zwei, drei Zweigen. Kein Deko-Overkill, sondern ein Hinweis, dass hier jemand lebt.
In der Küche: Eine Obstschale, eine Kaffeekanne, die zum Stil des Raums passt. Keine Spülschwämme, keine Magnetzettel am Kühlschrank, keine halbvollen Flaschen auf der Arbeitsfläche.
Im Bad: Ein frisch gefaltetes Handtuch. Eine Seife, die zur Ästhetik des Raums passt.
Bei offenen Schränken und Regalen: Kleidung in einer Farbe oder ordentlich gefaltet, Bücher nach Größe oder Farbe sortiert, Lücken gezielt lassen statt füllen.
Und last but not least: Sollte das Sofa der Bewohnerschaft, auf die man ja meist keinen Einfluss hat, farblich nicht passen – in der Bildretusche ist vieles möglich. Da habe ich schon ganze Sofalandschaften umgefärbt.
Was ich mitbringe
Als Architekturfotografin habe ich einen kleinen Fundus dabei: hochwertige Seifen und Seifenspender, Vasen, Kissen, Handtücher – Dinge, die ich bei Bedarf einsetze, wenn vor Ort nichts Passendes vorhanden ist. Eine kurze Absprache vorab genügt, dann weiß ich, was gefragt ist und was ich mitbringen kann.
Für umfangreichere Interiors arbeite ich außerdem mit einer erfahrenen Stylistin zusammen. Wenn ein Projekt es verlangt – oder wenn die Inneneinrichtung noch nicht vollständig steht – ist das eine unkomplizierte Lösung, die ich gerne vermittle.
Muss jemand vor Ort sein?
Nicht zwingend. Kleinigkeiten löse ich selbst: Stühle arrangieren, Kabel wegräumen, ein Licht anders setzen. Für eine gute Vorbereitung des Raums reicht oft ein kurzes Gespräch vorab. Dann weiß ich, was mich erwartet, und Sie können mir das Shooting entspannt vor Ort überlassen.
Das ist der Anspruch, den ich an mich stelle: dass ein Shooting für Sie so unkompliziert wie möglich ist. Und dass die Bilder am Ende zeigen, was das Projekt wirklich kann.
Bis bald
Lioba
PS: Das schönste Projekt bleibt unsichtbar, wenn es niemand durch gute Fotos wahrnimmt – und genau deshalb lohnt sich diese kleine Lücke zwischen „fertig gebaut“ und „bereit fürs Shooting“. Steht bei Ihnen bald die fertigstellung eines Projekts an? Antworten Sie einfach auf diese Mail, ich schaue mir das gerne mit Ihnen gemeinsam an.
