Warum gute Architekturfotografie erst am Computer fertig wird | #6
Newsletter | Februar 2026


von Lioba Schneider
Architekturfotografin

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn ich nach einem Fototermin ins Büro komme, ist meine Arbeit noch lange nicht beendet.

Viele denken, die fertigen Bilder entstehen bereits vor Ort beim Fotoshooting. Tatsächlich beginnt ein wesentlicher Teil der Architekturfotografie erst danach – in der Bildbearbeitung. Und genau dort entscheidet sich oft, ob ein Foto die Qualität eines Projekts wirklich vermittelt.

Screenshot eines Bildschirms mit einem geöffneten Bildbearbeitungsprogramm, das Drohenaufnahmen zeigt.
Nach dem Shooting sichere ich zunächst alle RAW-Dateien – das digitale Negativ der Kamera. Aus den verschiedenen Perspektiven und Belichtungsreihen stelle ich eine erste Auswahl zusammen, die Sie unkompliziert als Download erhalten. So können Sie in Ruhe entscheiden, welche Motive später ausgearbeitet werden sollen. Erst danach beginnt die eigentliche Nachbearbeitung. Helligkeiten werden harmonisiert, Kontraste fein abgestimmt, Farben natürlich wiedergegeben und unterschiedliche Lichtstimmungen ausgeglichen. Aus mehreren Belichtungen entsteht ein Bild, das sowohl die Räume als auch den Blick nach draußen realistisch zeigt – so, wie Sie das Gebäude vor Ort erlebt haben. Doch Bildbearbeitung bedeutet für mich mehr als technische Korrektur. Sie hilft dabei, den Entwurf in den Mittelpunkt zu stellen.
Im Alltag gehören parkende Autos, Baustellenreste, Verkehrsschilder, Mülltonnen, Kabel oder eine zu bunte Sofalandschaft selbstverständlich dazu. Für die spätere Kommunikation eines Projekts lenken solche Details jedoch häufig vom Wesentlichen ab. Manchmal, wie hier am Weingut der DAGERNOVA im Ahrtal, waren vor Abgabeschluß zu einem Wettbewerb die Arbeiten einfach noch nicht fertig. Deshalb entferne oder reduziere ich Elemente, die vor Ort nicht wegzuräumen waren, wenn es sinnvoll ist und Ihren Vorstellungen entspricht. Auch störende Spiegelungen, Mischlicht verschiedener Leuchtmittel oder kleinere Fassadenspuren lassen sich gezielt korrigieren. Um Ihre Architektur so zu zeigen, wie sie geplant wurde.
Architekturfotografie des Wiederaufbau des Weinguts der Dagernova.im Ahrtal. Ein Auf- und Anbau aus braunem Metall verbindet sich mit der alten Architektur aus Ziegelgemäuern. Auf dem Vorplatz stehen Bagger und Baugerätschaften.
Architekturfotografie des Wiederaufbau des Weinguts der Dagernova.im Ahrtal. Ein Auf- und Anbau aus braunem Metall verbindet sich mit der alten Architektur aus Ziegelgemäuern.
Gerade bei Wettbewerben, Veröffentlichungen oder der Akquise neuer Projekte entscheidet häufig der erste Eindruck. Wenn der Blick zunächst auf ein Verkehrsschild, ein parkendes Auto oder einen feuerroten Feuerlöscher am Ende der Raumflucht fällt statt auf die räumliche Idee, verschenkt das einen Teil des Bildpotenzials. (Die Nachtschicht beim Weingut hat sich übrigens gelohnt- das Projekt erhielt eine Anerkennung beim Architekturpreis Wein 2025)! Deshalb gehört die Bildbearbeitung für mich genauso zur fotografischen Arbeit wie die Wahl des richtigen Standpunkts oder des passenden Lichts. Sie sorgt dafür, dass Ihre Architektur nicht von Zufälligkeiten des Alltags erzählt, sondern von den Qualitäten, die Sie entworfen haben. Und genau darum geht es: Bilder, die Ihrer Arbeit gerecht werden und Ihre Außenwirkung stärken. Und manchmal auch Preise abräumen. Bis bald! Lioba PS: Bildbearbeitung und Korrekturen sind fester Bestandteil des Fotoauftrags. Dabei sind manche Retuschen in wenigen Minuten erledigt, andere benötigen deutlich mehr Zeit. Deshalb bespreche ich besondere Wünsche immer im Vorfeld transparent mit Ihnen. So wissen Sie genau, welcher Aufwand sinnvoll ist und welches Ergebnis Sie erwarten können.